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Sprachförderung

Welche Methoden der Sprachförderung gibt es?

Alltagsintegrierte Sprachförderung, dialogisches Lesen, Wortschatzarbeit, Reime, Silben und mehr: ein verständlicher Überblick für Eltern und Fachkräfte.

Kind und Fachkraft betrachten spielerisch Materialien zur Sprachförderung

Sprachförderung kann ganz unterschiedlich aussehen. Manchmal entsteht sie nebenbei beim Anziehen, Kochen oder Spielen. Manchmal werden bestimmte Wörter, Laute oder Satzformen ganz gezielt geübt. Und manchmal braucht ein Kind zusätzlich professionelle Unterstützung durch eine logopädische oder sprachtherapeutische Behandlung.

Doch welche Methoden der Sprachförderung gibt es eigentlich? Und welche davon eignet sich für welches Kind?

Die wichtigste Antwort vorweg: Es gibt nicht die eine beste Methode. Besonders wirkungsvoll ist meist eine Kombination aus vielen guten Gesprächen im Alltag, spielerischen Übungen und gezielter Unterstützung dort, wo ein Kind Schwierigkeiten hat.

Sprachbildung, Sprachförderung oder Sprachtherapie?

Die Begriffe werden häufig durcheinandergebracht, meinen aber nicht genau dasselbe.

Sprachliche Bildung richtet sich an alle Kinder. Sie findet überall dort statt, wo Erwachsene mit Kindern sprechen, ihnen zuhören, Geschichten erzählen oder gemeinsam etwas entdecken.

Sprachförderung ist gezielter. Sie unterstützt Kinder, die in bestimmten Bereichen mehr Übung benötigen, beispielsweise beim Wortschatz, beim Satzbau, beim Erzählen oder bei der Unterscheidung von Lauten.

Sprachtherapie kommt zum Einsatz, wenn eine Sprachentwicklungsstörung oder eine behandlungsbedürftige Sprech- oder Sprachauffälligkeit vorliegt. Sie wird von entsprechend ausgebildeten Fachpersonen durchgeführt.

Diese Bereiche schließen sich nicht gegenseitig aus. Auch ein Kind, das eine logopädische Behandlung erhält, profitiert weiterhin von guten Gesprächen, Vorlesen und spielerischer Sprachförderung im Alltag.

1. Alltagsintegrierte Sprachförderung

Die alltagsintegrierte Sprachförderung gehört zu den wichtigsten Methoden. Dabei wird Sprache nicht nur während einer besonderen Übungszeit gefördert, sondern über den ganzen Tag hinweg.

Geeignete Situationen gibt es fast überall:

  • beim Anziehen
  • beim gemeinsamen Essen
  • beim Einkaufen
  • auf dem Spielplatz
  • beim Basteln
  • während des Aufräumens
  • auf dem Weg zur Kita

Entscheidend ist nicht, möglichst viel auf das Kind einzureden. Viel wichtiger ist ein echtes Gespräch.

Statt alle Handlungen des Kindes ständig zu kommentieren, können Erwachsene das Interesse des Kindes aufgreifen:

„Du hast den großen Bagger entdeckt. Was macht der gerade?“

Danach sollte das Kind Zeit bekommen, selbst zu antworten. Gerade dieses kurze Warten fällt Erwachsenen manchmal schwer. Doch Kinder benötigen häufig einige Sekunden, um ihre Gedanken zu sortieren und eine Antwort zu formulieren.

Alltagsintegrierte Sprachförderung bedeutet deshalb vor allem:

beobachten, zuhören, aufgreifen und weiterführen.

2. Kindliche Aussagen erweitern

Eine besonders einfache und wirkungsvolle Methode besteht darin, eine Äußerung des Kindes aufzugreifen und leicht zu erweitern.

Sagt ein Kind:

„Hund laufen.“

kann der Erwachsene antworten:

„Ja, der Hund läuft ganz schnell.“

Das Kind wird dabei nicht direkt verbessert. Es hört jedoch eine korrekte und etwas vollständigere Form des Satzes.

Auch bei Aussprachefehlern kann dieses sogenannte korrigierende Modellieren genutzt werden.

Sagt das Kind:

„Da ist eine Tanne.“

obwohl es „Kanne“ meint, könnte die Antwort lauten:

„Ja, da steht die Kanne auf dem Tisch.“

So bekommt das Kind ein richtiges Sprachvorbild, ohne dass der Gesprächsfluss durch ständiges Korrigieren unterbrochen wird.

3. Dialogisches Lesen

Vorlesen ist gut für die Sprachentwicklung. Noch mehr Möglichkeiten bietet das dialogische Lesen.

Dabei liest der Erwachsene nicht einfach nur den Text vor. Das Kind wird aktiv in die Geschichte einbezogen und darf beschreiben, vermuten, erzählen und Fragen stellen.

Geeignete Fragen sind zum Beispiel:

Wichtig ist, daraus keine Abfrage zu machen. Das gemeinsame Betrachten soll sich wie ein Gespräch anfühlen und nicht wie eine Prüfung.

Dialogisches Lesen eignet sich besonders gut zur Förderung von:

Schon zehn ruhige Minuten können wertvoller sein als eine lange Vorlesesituation, in der das Kind nur zuhören soll.

4. Gezielte Wortschatzförderung

Kinder lernen viele Wörter im Alltag. Manche Begriffe brauchen jedoch mehr Aufmerksamkeit und Wiederholung.

Ein neues Wort bleibt leichter im Gedächtnis, wenn das Kind es nicht nur hört, sondern auch sieht, anfasst, erlebt und selbst verwendet.

Beim Wort „rau“ könnte ein Kind beispielsweise verschiedene Gegenstände ertasten:

Anschließend können Gegensätze verglichen werden:

„Der Stein ist rau. Das Glas ist glatt.“

Neue Wörter sollten in unterschiedlichen Situationen wieder auftauchen. Ein Wort einmal zu erklären, reicht häufig nicht aus.

Hilfreich ist diese kleine Reihenfolge:

  1. Das Wort benennen.
  2. Seine Bedeutung erklären oder zeigen.
  3. Das Wort in einem Satz verwenden.
  4. Das Kind selbst etwas damit beschreiben lassen.
  5. Das Wort später erneut aufgreifen.

Wortschatzförderung funktioniert besonders gut, wenn nur wenige neue Begriffe gleichzeitig ausgewählt werden.

5. Reime, Silben und Laute

Bei der phonologischen Sprachförderung geht es darum, die lautliche Struktur der Sprache wahrzunehmen.

Kinder entdecken dabei beispielsweise:

Typische Spiele sind:

Diese Fähigkeiten werden als phonologische Bewusstheit bezeichnet. Sie spielen besonders im letzten Kita-Jahr und beim Übergang zur Schule eine wichtige Rolle.

Dabei sollte es jedoch nicht um frühes Pauken gehen. Reime, Silben und Laute lassen sich wunderbar in Bewegung, Musik und kleine Spiele einbauen.

Ein Kind kann zum Beispiel für jede Silbe eines Wortes einen Schritt machen:

„Ba-na-ne“ - drei Schritte.

Oder es sucht im Zimmer Dinge, die mit einem bestimmten Laut beginnen:

„Was beginnt alles mit M?“

Digitale Sprachspiele können solche Übungen ergänzen. Sie ersetzen jedoch nicht das gemeinsame Gespräch und die Rückmeldung durch einen Erwachsenen.

6. Grammatik und Satzbau fördern

Manche Kinder kennen viele Wörter, haben aber Schwierigkeiten, daraus vollständige Sätze zu bilden. Andere lassen bestimmte Wörter aus oder verwenden Satzformen noch unsicher.

Auch hier hilft häufig das Modellieren.

Aus:

„Junge Ball werfen.“

wird:

„Der Junge wirft den Ball.“

Zusätzlich können gezielte Sprachspiele eingesetzt werden. Bilder eignen sich beispielsweise gut, um Sätze zu bilden:

Es ist meist sinnvoller, eine bestimmte Satzform über einen längeren Zeitraum aufzugreifen, anstatt viele grammatische Regeln gleichzeitig zu üben.

Das Ziel ist nicht, dass Kinder Grammatikregeln auswendig erklären können. Sie sollen richtige Satzformen möglichst oft hören, verstehen und selbst verwenden.

7. Bewegung als Sprachförderung

Sprache muss nicht immer im Sitzen geübt werden. Gerade jüngere Kinder lernen häufig leichter, wenn Sprache mit Bewegung verbunden wird.

Ein kleiner Bewegungsparcours kann beispielsweise mit Aufträgen kombiniert werden:

„Kriech unter den Tisch, spring über das Seil und stell dich neben den Stuhl.“

Damit lassen sich unter anderem fördern:

Für jüngere Kinder genügt zunächst ein kurzer Auftrag:

„Leg den Ball in die Kiste.“

Später können mehrere Schritte miteinander verbunden werden.

Auch Bewegungslieder, Fingerspiele und Reime verbinden Sprache mit Rhythmus und Körperwahrnehmung.

8. Erzählen und Gespräche führen

Sprachförderung bedeutet nicht nur, einzelne Wörter richtig auszusprechen. Kinder müssen auch lernen, Erlebnisse verständlich zu erzählen, anderen zuzuhören und bei einem Thema zu bleiben.

Hilfreiche Gesprächsanlässe sind:

Statt viele geschlossene Fragen zu stellen, helfen offene Gesprächsimpulse:

„Erzähl mir, was passiert ist.“
„Wie ging es danach weiter?“
„Was hat dir am besten gefallen?“

Erwachsene können das Erzählen unterstützen, ohne die Geschichte selbst zu übernehmen. Kleine Hilfen wie „Und dann?“ oder „Wer war noch dabei?“ reichen oft aus.

9. Sprachförderung bei mehrsprachigen Kindern

Mehrsprachigkeit ist keine Ursache für eine Sprachentwicklungsstörung. Kinder können problemlos mit mehreren Sprachen aufwachsen.

Wichtig ist, dass sie genügend Gelegenheiten bekommen, ihre Sprachen zu hören und zu verwenden. Eltern sollten möglichst in der Sprache mit ihrem Kind sprechen, in der sie sich selbst sicher und natürlich ausdrücken können.

Familiensprachen dürfen auch in der Kita sichtbar sein, beispielsweise durch:

Ein Kind, das erst seit kurzer Zeit Deutsch lernt, kann im Deutschen noch einen kleinen Wortschatz haben, ohne sprachentwicklungsgestört zu sein.

Zeigen sich jedoch deutliche Schwierigkeiten in allen regelmäßig gesprochenen Sprachen, sollte die Sprachentwicklung fachlich abgeklärt werden.

10. Digitale Sprachförderung

Apps, digitale Bilderbücher und Sprachspiele können die Förderung sinnvoll ergänzen. Entscheidend ist, wie sie eingesetzt werden.

Besonders hilfreich sind digitale Angebote, wenn Kinder dabei:

Weniger förderlich ist es, wenn das Kind nur passiv zusieht und möglichst viele Animationen ablaufen.

Eine Sprachlern-App sollte deshalb nicht einfach nur beschäftigen. Sie sollte das Kind dazu anregen, Sprache bewusst wahrzunehmen und selbst aktiv zu werden.

Programme wie Sprechfit können kurze Übungseinheiten zu Reimen, Silben, Anlauten und ähnlich klingenden Wörtern anbieten. Am besten werden solche Übungen anschließend im Alltag noch einmal aufgegriffen.

Welche Methode ist die beste?

Die beste Sprachförderung besteht selten aus einer einzelnen Methode.

Hilfreich ist eine Kombination aus:

Dabei sollte die Förderung immer zum Entwicklungsstand des Kindes passen. Ein dreijähriges Kind benötigt andere Angebote als ein Vorschulkind. Und ein Kind mit Schwierigkeiten bei der Aussprache braucht andere Übungen als ein Kind mit einem kleinen Wortschatz.

Wichtig ist außerdem, die Interessen des Kindes einzubeziehen. Ein Kind, das sich für Baustellen begeistert, wird über Bagger, Kräne und Lastwagen meist bereitwilliger sprechen als über Bildkarten, die es nicht interessieren.

Wann reicht Sprachförderung allein nicht aus?

Alltagsübungen und Sprachspiele können Kinder unterstützen. Sie ersetzen jedoch keine fachliche Diagnostik oder Behandlung.

Eine Abklärung ist unter anderem sinnvoll, wenn:

Erste Ansprechpartner können die kinderärztliche Praxis, eine logopädische Praxis oder eine Fachstelle für Sprachentwicklung sein.

Fazit: Sprachförderung beginnt mit echtem Interesse

Für gute Sprachförderung braucht es nicht ständig neues Material. Viele besonders wertvolle Sprachmomente entstehen im Alltag.

Ein Kind zeigt auf etwas, stellt eine Frage, erzählt eine kleine Geschichte oder spricht ein Wort noch nicht ganz richtig. Genau dort kann Sprachförderung beginnen.

Nicht durch Druck und ständiges Verbessern, sondern durch:

Zuhören, Zeit geben, Sprache anbieten und gemeinsam Freude am Sprechen entwickeln.

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